IT Landschaften erreichen irgendwann einen Punkt, an dem eine Entscheidung fällig wird – nicht immer wegen der Technik. Häufiger sind es organisatorische Gründe: Personen, die das System kennen, verlassen das Unternehmen. Eine Konzernvorgabe legt eine andere Zielplattform fest. Lizenz- und Betriebskosten stehen in keinem Verhältnis mehr zur verbliebenen Nutzung.
Wir begleiten diese Situationen unabhängig davon, ob am Ende eine Abschaltung, eine Migration oder ein weiterer Betrieb unter veränderten Bedingungen steht.
Ausgangspunkt: Bestandsaufnahme
Vor jeder Entscheidung steht die Analyse. Wir erfassen den Anwendungsbestand und bewerten ihn nach Nutzung, fachlicher Relevanz, technischer Verfassung und Abhängigkeiten:
- Welche Datenbanken werden noch aktiv verwendet, welche nur noch gelesen, welche gar nicht mehr?
- Welche fachlichen Prozesse hängen daran, und wo laufen sie weiter, wenn die Anwendung wegfällt?
- Welche Schnittstellen, Agenten und Zugriffe von außen bestehen?
- Welche Daten unterliegen Aufbewahrungspflichten, welche können entfallen?
Das Ergebnis ist eine belastbare Grundlage für die Frage, welche Anwendung welchen Weg nimmt. Erfahrungsgemäß fällt ein erheblicher Teil des Bestands in die Kategorie „kann geordnet stillgelegt werden“ – was den Aufwand für alles Weitere deutlich reduziert.
Wenn Know-how-Träger ausscheiden
Domino-Wissen ist häufig auf wenige Personen konzentriert, teilweise auf eine einzige. Gehen diese in den Ruhestand oder wechseln sie, entsteht eine Lücke, die intern selten kurzfristig zu schließen ist.
Wir übernehmen die Betreuung in solchen Fällen – auch dann, wenn wir die Systeme nicht selbst entwickelt haben. Sofern noch möglich, erfolgt die Übergabe im direkten Austausch mit den bisherigen Verantwortlichen; andernfalls erschließen wir den Bestand über Code, Datenbankstrukturen und Nutzungsverhalten. In beiden Fällen dokumentieren wir das erarbeitete Wissen so, dass es nicht erneut an Einzelpersonen gebunden ist.
Das verschafft Ihnen Handlungsspielraum: Die Entscheidung über die Zukunft der Systeme muss dann nicht unter Zeitdruck fallen.
Ablösung und Abschaltung
Wenn Systeme stillgelegt werden sollen, betrifft der Aufwand weniger die Abschaltung selbst als das, was ihr vorausgeht. Wir strukturieren den Prozess entlang der folgenden Schritte:
- Sicherung und Extraktion der Daten in auswertbare, plattformunabhängige Formate
- Klärung der Aufbewahrungsfristen und Bereitstellung eines revisionsfähigen Archivzugriffs
- Ablösung oder Umleitung bestehender Schnittstellen
- Kontrollierte Außerbetriebnahme mit definiertem Rückfallpunkt
- Freigabe von Lizenzen, Infrastruktur und Betriebsaufwand
Der Nachweis, dass auf archivierte Daten weiterhin zugegriffen werden kann, ist dabei regelmäßig der kritische Punkt – und derjenige, der bei unvorbereiteten Abschaltungen am häufigsten übersehen wird.
Übernahme in ein Neusystem
Steht eine Zielplattform fest, geht es um die Frage, was übernommen wird und in welcher Form. Eine Eins-zu-eins-Abbildung ist selten sinnvoll: Über Jahre gewachsene Anwendungen enthalten Funktionen, die niemand mehr nutzt, und Umwege, die aus früheren technischen Beschränkungen stammen.
Wir rekonstruieren die fachliche Logik aus der bestehenden Anwendung, trennen sie von ihrer technischen Umsetzung und überführen sie in die Zielumgebung – ob Standardsoftware, Individualentwicklung, Low-Code-Plattform oder Microsoft 365. Die Datenmigration erfolgt strukturiert und mit Abgleich zwischen Quell- und Zielbestand, damit die Vollständigkeit belegbar ist.
Wo die Ablösung schrittweise erfolgt, richten wir den Parallelbetrieb so ein, dass beide Seiten während der Übergangszeit konsistent bleiben.
Rehosting und Rescaling
Nicht jede Situation erfordert einen Plattformwechsel. Wenn Anwendungen fachlich weiterhin gebraucht werden, ist häufig die Betriebsform das eigentliche Problem – veraltete Hardware, überdimensionierte Serverlandschaften, ungünstige Lizenzstrukturen oder Standortfragen.
In diesen Fällen verlagern wir den Betrieb, ohne die Anwendungen anzutasten: Umzug auf aktuelle Serverumgebungen, Konsolidierung mehrerer Instanzen, Anpassung der Dimensionierung an die tatsächliche Nutzung, Überführung in eine Betreuung durch uns. Das reduziert laufende Kosten und verlängert die nutzbare Lebensdauer des Bestands – auch als Zwischenschritt, wenn eine spätere Ablösung geplant, aber noch nicht terminiert ist.
Unser Ansatz
Retirement-Projekte scheitern selten an der Technik, sondern an fehlender Übersicht und an Entscheidungen, die ohne ausreichende Grundlage getroffen werden. Wir arbeiten deshalb analysegetrieben und in abgegrenzten Schritten, bei denen jeder Zwischenstand einen belastbaren Zustand darstellt.
Dass wir mit / für Domino sowohl entwickeln als auch betreiben, ist dabei kein Nebenaspekt: Es ermöglicht die realistische Einschätzung, ob eine Anwendung Ablösung, Übernahme oder schlicht einen geordneten Weiterbetrieb verdient.